Neue Sichtweisen zum Thema "Laktoseintoleranz"

Braly und Hoggan führen in einem der wichtigsten Bücher der vergangenen Jahre (das selbstverständlich nicht auf Deutsch erhältlich ist) überzeugende Überlegungen zum Thema "Leaky Gut" an:

Digestion of Dietary Protein

Optimal digestion involves disintegration of [these] large, complex dietary proteins into smaller particles. ...Some bonds between the amino acids that form gluten proteins are extremely resistant to intestinal digestion. While some individuals produce a liver enzyme capable of digesting gluten, many do not. It is not yet clear if the presence of these enzymes provides protection from gluten sensitivity, but it seems probable. For the many who lack these digestive enzymes, grains need much more processing than the foods that are common to a hunter-gatherer's diet. Even after grinding, cooking, and the many assaults of processing and digestion, some of these gluten proteins remain stubbornly intact. The mucus that lines our intestines usually protects our bloodstream from these stubborn proteins.

Undigested Grain Proteins Spell Trouble

...there is a lot of evidence to show that somewhere between 15 and 42 percent of the general population are absorbing some of these undigested and partly digested gluten protein into their blood by passing them between the cells that line the intestinal wall. Once in the bloodstreams, antibody production often follows, causing inflammation at the site where these proteins are being leaked. The chemicals released as a result of inflammation cause even greater permeability, and a self-perpetuating cycle is established.

From: James Braly MD and Ron Hoggan MA: Dangerous Grains. Why Gluten Cereal Grains May Be Hazardous to Your Health, Avery 2002, pp 29f.

Meine Übersetzung:

Verdauung von Nahrungsproteinen

Optimale Verdauung erfordert Aufbrechen großer, komplexer Nahrungs-Proteine in kleinere Einheiten..... Einige der Bindungsstellen zwischen den Aminosäuren, aus denen sich Gluten zusammensetzt, widersetzen sich der Verdauung ganz entschieden. Während einige Individuen ein Leber-Enzym produzieren, das Gluten aufbrechen kann, tun viele dies nicht. Es ist noch nicht geklärt, ob das Vorhandensein dieses Enzyms einen Schutz vor Gluten-Unverträglichkeit bedeutet, aber es ist wahrscheinlich. Für die vielen, denen diese Enzyme fehlen, erfordern Getreide sehr viel mehr Verdauungsarbeit als die Nahrung, die eine Jäger- und Sammler-Diät ausmachen. Sogar nach Mahlen, Kochen und den vielen "Angriffen" durch Verarbeitung und Verdauung bleiben einige dieser Gluten-Proteine hartnäckig intakt. Der Schleim, der unsere Därme auskleidet, schützt im Allgemeinen unseren Blutkreislauf vor diesen hartnäckigen Proteinen.

Unverdaute Proteine bereiten Probleme

....es gibt viele Hinweise dafür, dass zwischen 15 und 42% der Bevölkerung diese unverdauten und teilverdauten Proteine in ihren Blutkreislauf aufnehmen, indem sie zwischen den Zellen, die die Wand des Darms ausmachen, hindurch passieren. Einmal im Blutkreislauf, folgt oft die Produktion von Antikörpern, Entzündungen an den Stellen bewirkend, wo die Proteine hindurchgetreten sind. Die Stoffe, die als Folge von Entzündung produziert werden, erzeugen noch größere Durchlässigkeit, und ein Teufelskreislauf ist in Gang gesetzt.

What is the “Leaky Gut”?

by Dogtor J
© 2010 DogtorJ.com
The “leaky gut syndrome” is the term used for the situation that occurs when the villi of the intestinal tract have been damaged badly enough – and for a long enough time – to result in significant malnutrition, both from the lack of absorption into the bloodstream and from the leakage of substances from the blood into the bowel (e.g. serum proteins and serotonin). The principal foods that cause this intestinal damage (villous atrophy of small intestine) are what I call the “big 4″ – gluten, dairy (casein), soy and corn. However, other legumes and the nightshades are also capable of compromising the bowel’s integrity.
Once this damage is severe enough, a hormone called zonulin is released by cells within the bowel wall. This, in turn, “relaxes” (opens up) the natural barriers of the gut in order to facilitate absorption of nutrients. These barriers are meant to limit the passage of items into the bloodstream to things that the body needs. However, the body will always find a way to overcome adversity and zonulin is the intestinal tract’s “plan B” for getting nutrients into the blood stream once the primary means- the intestinal villi – are compromised significantly.
Unfortunately, “plan B” often comes with a caveat and, in this case, the potentially harmful things that these barriers are attempting to keep out may have the opportunity to enter the blood. These include microorganisms, chemical compounds, and food proteins. Think of the latter as being partly undigested foods that enter the bloodstream in a way that the immune system does not recognize as being normal. This is the known mechanism behind the development of “secondary food allergies” – those to eggs, tree nuts/peanuts, shellfish, topical fruits, tomatoes, etc.- foods that are otherwise considered to be healthy for us. Some secondary food allergies do make more sense than others, such as those to shellfish, tomatoes and pork, as they present other challenges to those who consume them (e.g. microorganisms, lectins and parasites). However, if we did not have previous villous damage from the “big 4″, it is unlikely that we would ever develop allergies to these other foods.

hier zu finden:


Was kann das für Harnwegsinfekte bedeuten?

Könnte es sein, dass nicht nur Gluten, bzw. Teile von Gluten durch den "leaky gut", die "löcherige" Darmwand aufgenommen werden, sondern auch Fructose bei Fructose-Unverträglichkeit (FI) und Laktose bei Laktose-Intoleranz (LI)?
Von LI sind in Deutschland ca. 20% der Bevölkerung betroffen, je älter desto häufiger und mit Vorfahren aus dem Mittelmeer, dem asiatischen oder afrikanischen Raum mit höherer Wahrscheinlichkeit. Die verbreitete Theorie ist, dass die im Dünndarm nicht aufgespaltene (mangels des Enzyms Laktase) und nicht resorbierte Laktose

in tiefere Darmabschnitte [gelangt] und dort von den Darmbakterien vergoren [wird]. Die Gärungsprodukte Wasserstoff, Methan, Kohlendioxid und kurzkettige Fettsäuren führen zu Symptomen wie Blähungen und osmotische Diarrhöe. Die Bakterien im Darm können zudem noch eine Reihe anderer biologisch aktiver Substanzen bilden. Daher sind die Symptome der Laktose­intoleranz nicht unbedingt auf den Verdauungstrakt beschränkt.
Quelle: Labor Dres. Hauss

Was aber, wenn im "leaky gut" nicht nur Gluten(bruchteile), sondern auch unverdaute Laktose und Fructose aufgenommen werden? Und wenn ja, was geschieht mit diesen Zuckern? Werden sie vielleicht unverändert ausgeschieden, so wie man es sich ja mit der Mannose zunutze zu machen versucht, die in der Blase als eine Art "Köder" für E. coli fungieren soll?

Der wichtigste Verursacher von Harnwegsinfekten, das Bakterium Escherichia coli (in 80% bis 90% der Fälle) benutzt als Substrat Glukose und Laktose, das ist in der "bunten Reihe" ein Unterscheidungskriterium.
Bunte Reihe
Während vielfach dazu geraten wird, einen Diabetes abklären zu lassen (der sich u.a. durch Ausscheidung vom Glukose im Harn bemerkbar machen kann), wenn man an chronisch rezidivierenden Harnwegsinfekten leidet, geht niemand der Frage nach, ob vielleicht Laktose in der Harnblase ein verursachender Faktor sein könnte.

Eine Recherche dazu bei Medline erbrachte überraschend viele Hits:

  • Gupta BD, Gupta R, Maheshwari JC, Jain A.: "Lactosuria in lactose intolerance.", (Letter), Indian J Pediatr. 1991 Sep-Oct;58(5):725-6.
  • Cook GC, Howells GR.: "Lactosuria in the African with lactase deficiency.", Am J Dig Dis. 1968 Jul;13(7):634-7.
  • Kline AH, Assemi M.: "Lactose intolerance with lactosuria." . Tex Med. 1968 Jul;64(7):36-9.
  • David M, François R., [Lactose, lactosuria and hereditary lactose intolerance] [Article in French] , Rev Prat. 1965 May 11;15(14):1877-84.
  • Andria M, Vargiu N.: [Lactosuria in pregnancy and the puerperium] [Article in Italian], Minerva Ginecol. 1968 May 15;20(9):773-6.
  • WESER E, SLEISENGER MH.: "LACTOSURIA AND LACTASE DEFICIENCY IN ADULT CELIAC DISEASE.", Gastroenterology. 1965 May;48:571-8.
  • GERRITSEN T, LEMLI L, PTACEK LJ, WAISMAN HA.: "THE PRESENCE OF LACTULOSE IN THE URINE OF INFANTS WITH LACTOSURIA." Pediatrics. 1963 Dec;32:1033-8.
  • STUHLFAUTH K, HOFMANN E, HEINZ F.: [Lactosemia and lactosuria before and after lactose load.], Klin Wochenschr. 1962 Nov 15;40:1151-3. [Article in German]
  • COTTE J, COLLOMBEL C.: "[Contribution to the study of congenital disorders of the metabolism of sugars. Apropos of a case of lactosuria and a case of fructosuria.]", Boll Chim Farm. 1962 Jun;101:469-76. [Article in French]
  • DURAND P.: "[Idiopathic lactosuria in a patient of chronic diarrhea and acidosis.]", Minerva Pediatr. 1958 Jul 14;10(27-28):706-11. [Article in Italian]

Während die neueste Fundstelle von 1991 nur ein Brief an den Herausgeber ist, findet sich einiges zum Laktose im Urin in der Schwangerschaft. Vielleicht ein Grund für die häufigen Harnwegsinfekte bei Schwangeren? Ist vielleicht der Grund, dass Schwangere nach Kräften Milchprodukte konsumieren, um dem Fötus reichlich Calcium bieten zu können?
Es findet sich auch etwas zu Laktose im Urin bei Zöliakie sowie Azidose. Allerdings insgesamt ältere Arbeiten. Aber immerhin scheint der Gedanke nicht abwegig. Warum er nicht in neuere Zeit weiterverfolgt wurde? Vielleicht aus dem gleichen Grund, warum der nun schon sechs Jahre alte Titel von Braly und Hoggan nicht auf Deutsch erhältlich ist?

Ist vielleicht, was für Laktose im Urin gilt, auch anwendbar für Fruktose-Unverträglichkeit?
Eine Recherche zum Thema Fruktose im Urin bietet ebenfalls reichlich Ergebnisse. Dieser Zucker wird also offenbar ebenfalls, wenn nicht im Darm zerlegt, durch den "leaky gut" komplett aufgenommen und ausgeschieden. Und E. coli kann mit fast allen Zuckern was anfangen, auch mit Fruktose und Laktose (Glukose + Galaktose).
Quelle: Der Bio-Coach

Der sich aufdrängende Schluss daraus: Wer E. coli in seiner Harnblase das Futter entziehen möchte, muß nicht nur wachsam sein hinsichtlich Glukose im Urin (Diabetes), sondern sollte vor allem etwas gegen seinen "leaky gut" unternehmen, denn die Vermeidung vor allem der Fruktose aus Gemüse und Obst führt zu einer Mineralien- und vor allem Kalium-verarmten Ernährung, die den Nieren schadet.
Beste Maßnahme gegen "leaky gut": Glutenfreie Ernährung, denn die mit Zöliakie Diagnostizierten sind nach Braly und Hoggan nur die "Spitze des Eisberges" einer großen Bevölkerungsgruppe, die eine Gluten-Unverträglichkeit aufweist. (s. Zitat aus Braly/Hoggan oben)

Einer der wichtigsten Sätze aus dem Buch von Braly und Hoggan, die eine Ernährung ohne Milchprodukte, ohne glutenhaltige Getreide empfehlen, dem man hinzufügen sollte: Und ohne Laktose in irgendeiner Form.

Concerned parents and others may want to act more quickly on this information, as the appropriate diet is very safe and nutritious. Other than the inconvenience of implementing the diet while ensuring optimal nutrition, there is no known downside to this therapy. Those who currently struggle with these conditions (Gluten-Unverträglichkeit, SH) will be unlikely to benefit from this information if they await its general acceptance before changing their diet. (op.cit, pp. 156f)

Meine sehr freie Übersetzung: Besorgte... handeln besser rasch nach diesen Informationen, da die angemessene Diät sehr gesund und nahrhaft ist; außer den Mühen, sie umzusetzen gibt es keine Nachteile. Diejenigen, die derzeit mit Gluten-, [Milch- und Laktose- sowie Fruktose-Unverträglichkeit] kämpfen, werden von diesen Informationen nur dann etwas haben, wenn sie nicht warten, bis sie allgemein akzeptiert sind.

Weitere wichtige Informationen zur Thematik:

Braly und Hoggan schreiben, Kalium-Mangel sei bei Zöliakie berichtet worden, und raten zu Kalium-Supplementation, im Falle, dass die "Jäger- und Sammler-Diät", mit viel frischem Gemüse, Obst und Fleisch, jedoch sehr wenigen Kohlehydraten (und völlig ohne Milch und Getreide sowie alles industriell Bearbeitete), keine Besserung der niedrigen Kalium-Werte bringt. Ergänzend ist auf eine guten Versorgung mit Magnesium zu achten. (op. cit., p. 97)
Wer aus Furcht vor Fruktose eine Ernährung mit wenig Gemüse und Obst praktiziert, könnte sich einen Bärendienst erweisen.

Das Enzym Laktrase (zur Spaltung von Milchzucker) wird mit Hilfe von Aspergillus oryzae produziert - warum also nicht Reisessig statt normalem verwenden, er wird häufig auf Getreide-Basis produziert - und ist vielleicht vor allem deshalb häufig unverträglich.

Chemie popularisiert von Prof. Dr. Peter Bützer



Nach Drucklegung des Buches hinzugekommene Informationen:

Nicht empfehlenswerte Strategien zur Behandlung von Problemen der Harnblase

Was man versuchen könnte, und was Mut macht.

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