Q:
Liebe Frau Hakushi,

ich habe IC und einige Fragen.

Ich bin unsicher, weil ich Ratschläge bekommen habe, die ich nicht wirklich verstehe. Sie dürfen meine Fragen gerne im Abschnitt "FAQs" öffentlich beantworten.
Ich soll histaminarm essen.
Eine Liste der empohlenen Lebensmittel enthält viele Milchprodukte. Ist das wirklich empfehlenswert?
Eine lange Liste von Lebensmitteln soll man bei IC meiden:

    Alkohol, Ananas, Äpfel, Apfelsaft, Apfelsinen, Avokados Bananen, Bier, Bierhefe, Bohnen (Fava-, Limabohnen) Champagner (Sekt), Cola, Corned Beef Erdbeeren, Essig Feigen, Favabohnen Gewürze (scharf), Guave Hering, eingelegt Hühnerleber Joghurt Kaffee, Käse (Brie, Camembert, lang gelagerter Käse), kohlensäurehaltige Getränke Limonaden, Limabohnen Mayonnaise Netzmelonen, Nüsse Pfirsiche, Pflaumen, frisch u. getrocknet Preiselbeeren Roggenbrot Saccharin, sauere Sahne, Schokolade, Sojasauce, Süßstoffe, aspartathaltig Tee (schwarzer), Tomaten Vitaminpräparate (aspartathaltig) Wein (außer Spätlese, Auslese), Weintrauben Zitronen, Zitronensaft, Zitrusfrüchte (allgemein), Zwiebeln

Einige würde ich sowieso nicht unbedingt zu mir nehmen, wie Cola, Corned Beef und Essig.
Aber was ist mit Ananas, Äpfel, Avocados, Bananen, Feigen, Guaven, Mayonnaise, Netzmelonen, Nüssen, Pfirsichen, Pflaumen, Tomaten und Preiselbeeren?
All das esse ich sehr gerne und es scheint auch bekömmlich zu sein.
Selbst Zwiebeln und Zitronen bekommen mir, Zwiebeln in Maßen. Zitronen sind ein häufiges Allergen, ich weiß.
Können Sie dazu andere Ratschläge anbieten?

Was ist mit Roggenbrot? Warum das nicht?

Warum soll man keinen Wein trinken, jedoch Spätlese geht?

Was ist an Schokolade, das mit der IC nicht verträglich ist?

Bringt es überhaupt etwas, histaminarm zu essen und Histaminliberatoren zu vermeiden?

Ist es empfehlenswert, den Urin mit Natriumbicarbonat zu alkalisieren?

Zum Thema Kalium habe ich Ratschläge gefunden, die ich ÜBERHAUPT NICHT verstehe.

Kaliumchlorid kann die Blase reizen. Dieser Effekt wird beim sogenannten KCL-Test sogar als Diagnosemöglichkeit genutzt. Deshalb sollte bei einer IC-Erkrankung möglichst auf Nahrungsmittel verzichtet werden, die zu einer erhöhten Kaliumchlorid-Konzentration im Urin führen.


A:
- Hinsichtlich der Liste der empfohlenen Lebensmittel, vor allem Obst und Gemüse, denke ich, dass diese höchst willkürlich ist.
Die wichtigste Frage sollte sein: Sind diese für die jeweilige individuelle Person bekömmlich?
Mit einer "IC" hat das sehr wenig zu tun.
Warum von denen von Ihnen aufgezählten abgeraten wird, erschließt sich mir nicht. Außer für die Ratschläge, wenig industriell Verarbeitetes zu verzehren, das halte ich für sinnvoll.
Die Auswahl ist ansonsten völlig willkürlich. Das beste Beispiel ist die von Ihnen genannte Auswahl an Obst und Gemüse, von der Sie sagen, dass Sie Ihnen bekommt. Bleiben Sie dabei.

- "Roggenbrot?"
Verstehe ich auch nicht. Gluten könnte ein Faktor sein. Für Vollkornzerzeugnisse: Nickel.

- "Spätlese ja, Wein nein."
Halte ich für unbegründet und problematisch. Es könnte daran liegen, dass die Autoren glauben, nicht-saure, süße Lebensmittel wirkten nicht säuernd. Hat mit der Realität nichts zu tun. Säuernd wirkt, was wenig Kalium, Calcium und Magnesium enthält. Da kommt Wein recht gut bei weg (Kalium). Aber der Schwefelgehalt kann problematisch sein.

- "Histaminarm?"
Ich glaube nicht, dass das viel bringt. Wenn Sie sich einen Tag mit Lebensmitteln ernähren, die nach dieser Liste histaminarm und damit für Ihre IC geeignet sein sollen, können Sie trotzdem Ihre individuellen Allergene zu sich genommen haben. Ich sage dazu nur: Milchprodukte, Nudeln.

- "Schokolade?"
Vor allem der Milchgehalt ist problematisch.

- "Bringt es überhaupt etwas, histaminarm zu essen und Histaminliberatoren zu vermeiden?"
Unterstützend sicherlich. Aber wenn die individuellen Allergene weiterhin gegessen werden, entsteht auch sehr viel Histamin. Sinnvoller ist es, diese zu vermeiden.

- "Ist es empfehlenswert, den Urin mit Natriumbicarbonat zu alkalisieren?"
Jein. Allein sicherlich nicht. Das Natriumbicarbonat hat den Effekt, zur Kaliumverarmung des Körpers beizutragen. Siehe hier:

- "Deshalb sollte bei einer IC-Erkrankung möglichst auf Nahrungsmittel verzichtet werden, die zu einer erhöhten Kaliumchlorid-Konzentration im Urin führen"
Das ist wenig einleuchtend. Schluckt denn jemand Kaliumchlorid? Wie also kommt es solch einer Ausscheidung?
Die Nieren müssen das Chlorid aus dem vielen Kochsalz herausschaffen, das unsere Nahrung meist enthält. Dazu nehmen sie häufig das am stärksten alkalische (d.h. die stärksten Säuren neutralisierende) Element zur Hilfe, das Kalium.
Problematisch ist die Ausscheidung von Kaliumchlorid nicht. Es scheint ein letztes Aufbäumen des alten, überholten Dogmas: Kalium macht die IC-Schmerzen in der Blase. Dass das nicht zutrifft, hat man offenbar fast eingesehen, bzw. sich zum Gesichtserhalt auf Kaliumchlorid zurückgezogen.
Möchte man die Ausscheidung von Chlorid vermeiden, dann hilft nur eins: weniger Chlorid / Kochsalz, oder mehr Kalium in Form von Gemüse und Obst. Denn dann haben die Nieren genug davon, um es zur Ausscheidung von Chlorid einzusetzen.
Auf jeden Fall aber werden sie Kalium ausscheiden, denn den größten Teil der Menschheitsgeschichte war dieses überreichlich in der Nahrung vorhanden.
Und mit dem Einsatz von Natriumbicarbonat fördert man vor allem die Kaliumausscheidung und damit die rasant fortschreitende Verarmung der Zellen an Kalium.

- Mein DRINGENDER Ratschlag daher: Mehr Gemüse und Obst essen! Ggf. herausfinden, WELCHE SORTEN GENAU unverträglich sind, und nur diese meiden, dafür aber MEHR VON DEN VERTRÄGLICHEN essen.



Q: Sehr geehrte Damen und Herren,
kann es sein, dass meine Fruktosemalabsorption verantwortlich für meine Blasenentzündungen ist?

A: Sehr geehrte(r) Leser(in) der Webseite,
wir möchten mit den Worten von Udo Pollmer antworten:


Für viele Ärzte gilt die Regel: Wenn ein Patient Probleme hat, und unbedingt eine Diagnose will - dann ab zum Fructosetest - da findet man immer was. Der Patient hat seine Diagnose, er soll sein Essen entsprechend dem Fructosegehalt zusammenstellen und ist endlich beschäftigt. Und auch dem Umsatz tut es gut. Je mehr Patienten, desto lauter klingeln die Krankenkassen.

Zu lesen hier

und zu hören hier.

Zitat aus dem Podcast:
Die Zunahme der Fruktose-Malabsorption ist eine Folge der H2-Atemtests und der gesunden Ernährung, viele Menschen vertragen Obst halt nicht, vor allem keine Äpfel und keinen Apfelsaft.
Pollmer zitiert in dem Podcast eine Äußerung von Ledochowski, wonach dieser sagte, wenn er gewußt hätte, was die Ärzte draus machen, hätte er vielleicht besser auf die Veröffentlichung verzichtet .



Q: Hallo liebe Hakushi, ich habe seit einem Jahr schlimmste Blasen und Harnröhrenschmerzen ohne Bakteriennachweis, man sagte mir ich habe Ic aber alle dafür vorgeschlagenen Therapien schlugen fehl.
Ich will nun versuchen etwas mit Entsäuerung zu probieren, vielleicht liegt es ja an Übersäuerung? Nur weiß ich leider so gar nicht wie ich damit anfangen soll, da ich mich damit überhaupt nicht auskenne.
Habe mir ein Basenpulver gekauft dass hat aber nur ein paar Tage gut geholfen, dann hatte ich trotzdem wieder Schmerzen. Ich bin nun soweit dass ich BtM nehmen muss da ich sonst nicht mehr schlafen könnte vor Schmerzen, dabei fing alles ganz harmlos an mit einer normalen Blasenentzündung.
Ganz schlimm wurden meine Schmerzen nach einem 14-tägigen Fasten, danach waren die Schmerzen in der Harnröhre kaum noch auszuhalten. Vielleicht hast du ja ein paar Tipps für mich, denn in den einschlägigen Ic Foren lese ich nur immer von Blasenentfernung und co...
lg
Yasmin

A: hallo Yasmin,
wenn das Basenpulver ein paar Tage geholfen hat, dann würde ich das als Indiz nehmen, dass es prinzipiell möglich ist, die "IC" so zu bessern.
Besonders bestärkt mich in dieser Hinsicht dieser Satz von Dir:
"Ganz schlimm wurden meine Schmerzen nach einem 14-tägigen Fasten, danach waren die Schmerzen in der Harnröhre kaum noch auszuhalten."
Laut dieser Fundgrube für Kritik an Nicht-Schulmedizinischem führt Fasten zu einer starken Säurebelastung der Nieren. Halte ich für eine absolut fundierte und zutreffende Ansicht.
Prinzipiell bist Du m.E. mit "Entsäuern" auf dem richtigen Weg, aber die Säurebelastung für die Nieren sollte gering gehalten werden.
Leider taugen die meisten Basenpulver auf dem Markt nichts, weil sie kein Kalium enthalten.
Entsäuerung geht nur mit VIEL Kalium, Calcium und Magnesium.
Das häufig empfohlene Natron oder auch Alkala N funktioniert nur als Unterstützung bei einer sehr kaliumreichen Ernährung.
Warum das alles so ist, kannst Du in meinem Buch lesen.
Und Hände weg von allen Basenpulvern mit Laktose u. Zusatz- u. Aromastoffen usw.
Weiterhin empfehle ich zur Besserung Deiner Beschwerden, mal zu untersuchen, ob nicht Unverträglichkeiten / Allergien dahinter stecken.
Hier: kann man viele Berichte zu Blasenproblemen finden, die auf Unverträgliches (im weitesten Sinne) in der Ernährung zurückzuführen sind.
Ich empfehle umfangreiche Lektüre mittels Suchfunktion in diesem Forum.
Die besten Wünsche für Dich.
LG
Hakushi

Q: Ich habe ein Problem mit rezidivierenden Harnwegsinfekten, und zwar immer erst Klebsiella Bakterien und erst im Anschluss die E.coli. Vielleicht wäre es deshalb ratsam doch eher den Harn anzusäuern?
Weil, vielleicht resultieren die E.Coli nur durch die Erhöhung des pH-Wertes durch die Klebsiella Bakterien?

A: Ich denke, es ist falsch, anzunehmen, dass E. coli auftritt, wenn der Harn zu alkalisch ist. Das ist zwar Standardmeinung, aber trotzdem falsch.
Ein Blick auf die "Bunte Reihe" ergibt aufschlussreichere Antworten:
- Klebsiella kann Harnstoff spalten, davon geht der pH im Harn in die Höhe, er wird alkalischer. E. coli kann das nicht, dieses Bakterium macht den Harn sauer. Es überlebt seine eigenen Stoffwechselprodukte ganz hervorragend offensichtlich.
- Beide Bakterien sind aufschlussreich hinsichtlich ihrer Verstoffwechselung von Zucker. Beide können mit sämtlichen Zuckern etwas anfangen, sie verstoffwechseln sie zu Säure. Beide können mit Laktose etwas anfangen. Diese Fähigkeit vor allem unterscheidet Klebsiella vom auch harnstoffspaltenden Proteus.
So würde ich aus der Coexistenz dieser beiden Bakterien in meiner Schleimhautflora folgern, dass ihre gemeinsame Liebe zur Laktose sie vielleicht sich dort ansiedeln läßt. Und die Laktose weglassen.
In allen Medikamenten und Probiotika und Backwaren. Penible Forschung dürfte sich lohnen.
Zur Behandlung würde ich anraten: Ein Bärentraubenblätter-Präparat. Wenn der Harn alkalisch ist, wirkt es ohne weitere Massnahmen. Ist er sauer ( bei E.coli - Infektion ) dann Basenpulver dazu. Aber keines mit Laktose!!


Q: Stimmt es, dass Arctuvan bei häufigerer als 5maliger Anwendung im Jahr die Leber stark schädigt, bzw sogar Krebs verursacht?

A: Nein, vermutlich nicht. Das BfArM sagte dazu:

klick hier:
sowie hier:
und hier:


Q: Wie wirkt Angocin sich auf den Urin aus? Basisch oder sauer?

A: Auf den pH-Wert wirkt es gar nicht.


Q: Ist es eine Alternative oder eine Ergänzung zu Arctuvan?

A: Eine Alternative.
Allerdings eine schwächer antibakteriell wirkende, so dass mit der höheren nötigen Zahl Tabletten eine größere Menge schädlicher Nebenstoffe wie z.B. Laktose und Farbstoffe zugeführt wird.


Q: Die gleiche Frage habe ich zu Nephroselect M und Aqualibra.

A: Das sind nicht antibakterielle sondern Durchspülungsmittel, siehe hier:


Q: Was ist Ihrer Meinung nach zu empfehlen: Alkala N, Basenpulver, oder Natron?

A: Keines davon.
Man kann mit allen Genannten den pH-Wert im Harn anheben. Nötig, damit z.B. Arctuvan wirken kann.
Möchte man jedoch eine tiefgreifendere entsäuernde Wirkung und damit langfristige Vorbeugung erzielen, dann reicht keines der Mittel, da keines Kalium in nennenswerter Menge beinhaltet.
Siehe auch hier:


Q: Man soll ja Darm und Vaginaflora durch Milchsäure (zb Joghurt oder Buttermilch essen) stärken.
Andererseits sollte man Milchprodukte weglassen. Wie lässt sich das vereinbaren?

A: Gar nicht. Ich denke, die vielgepriesenen milchsauren Produkte sind sowohl innerlich wie äußerlich eher unverträglich als dass sie positive Wirkungen entfalten.
Mehr Menschen als vermutet vertragen weder Laktose, noch Milch(eiweiß), noch Milchsäure, die vermutlich als Abfallprodukte der Milchindustrie (Molke) in diese Empfehlungen Eingang findet.


Q: Was halten Sie von Gynatren? Ist das das Gleiche wie StroVac?

A: Gynatren soll dem Körper helfen, die "schlechten" Milchsäurebakterien kleinzuhalten.
siehe hier:
Strovac dagegen soll ihn zum Kampf gegen eine ganze Palette von Enterobakterien fit machen.
siehe hier:

Gynatren enthält Phenol. Bei Strovac hingegen wird hervorgehoben, dass es nur Spuren von Phenol enthält. Dafür enthält es das quecksilberhaltige Thiomersal. Beide nicht unproblematisch.
Ich halte von allen derartigen Impfungen nicht viel. Einfach, weil es nicht reicht, unerwünschte Bakterien klein zu halten. Die Hoffnung, dass sich dadurch die erwünschten ansiedeln, ist trügerisch.
Es werden sich diejenigen Bakterien ansiedeln, die mit dem gebotenen Milieu gut klarkommen. Das sind aber nicht unbedingt die erwünschten. Sondern vermutlich genau die, die derzeit auch dort leben.
Man muss vor allem das Milieu beeinflussen, will man die Bakterien-Population steuern. Und da würde ich ansetzen bei der Ernährung.

Ansatzpunkte speziell:

  • Chemikalien vermeiden, innerlich und äußerlich. Also wenig verarbeitete Nahrung.
  • Schauen ob Milchprodukte und glutenhaltige Getreide, vor allem Weizen, wirklich vertragen werden.
  • Kohlehydratanteil der Ernährung senken.
  • Es ist nicht unbedingt von Vorteil, sich vegetarisch zu ernähren, das scheint mir eine spezielle "Frauenfalle" zu sein.
    Mal schauen, ob nicht Fleisch plus Gemüse besser geht, dafür ohne Getreide und Milchprodukte.

  • to be continued

    

    Nach Drucklegung des Buches hinzugekommene Informationen:

    Nicht empfehlenswerte Strategien zur Behandlung von Problemen der Harnblase

    Was man versuchen könnte, und was Mut macht.

    Lactose, einmal anders gesehen

    neue Rubrik: FAQs, die häufigsten Fragen

    Neues aus der Forschung

    Zuschriften an den Verlag

    Harnröhrenschmerzen

    Männerproblem, behebbar durch Basenpulver

    Was "wuselt" denn da?

    Und die,"die schon durch alle AB's durch sind."?

    Hilft Pentosanpolyphosphat?

    Drangsymptomatik und Schmerzen nach Milchprodukten

    Spätfolgen von Antibiotika

    Zu Blasenerkrankungen und verbreiteten Medikamenten:
    Amitryptilin nicht bei Histaminüberempfindlichkeit

    Ursachen von Harnwegsproblemen heute:
    Beschädigung des GAG-Layers

    Begleiterkrankungen von chronischen Harnwegsinfekten, bzw. der Interstitiellen Cystitis

    IC und die Kaliumfrage, meine Einschätzung vieler Basenpulver



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